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Jubiläumsfeier

25 Jahre Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld - Jubiläumsveranstaltung vom 2.7.2010

GEMEINSAM SEIN – UNTERSTÜTZUNG FINDEN – STÄRKER WERDEN

Der Selbsthilfe-Gedanke beruht auf der Überzeugung, dass Menschen über die Fähigkeit verfügen, eigenverantwortlich mit schwierigen Lebens- und Krankheitssituationen umzugehen. Diese Fähigkeit wird dort entfaltet und gefördert, wo Menschen sich in Gruppen zusammenschließen. Selbsthilfegruppen sind von Bedeutung für die Bewahrung von Lebensqualität trotz gesundheitlicher und psychosozialer Probleme.

Viele Gruppen wenden sich auch an die Öffentlichkeit, um Gleichbetroffene auf ihre Gruppe aufmerksam zu machen und um über ihre Erkrankung oder ihr Problem zu informieren. Um Erfahrungs- und Fachwissen auszutauschen, zu bündeln und Gleichbetroffene kompetent zu informieren, arbeiten viele Gruppen auch mit Fachleuten zusammen und bringen Ihre Erfahrungen aktiv in das Gesundheitssystem ein.
Für all diese Anliegen von Selbsthilfe-Interessierten, von Selbsthilfegruppen und Fachleuten leistet die Selbsthilfekontaktstelle Unterstützung.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld hat sich in den 25 Jahren seit ihrer Gründung eng an dem Bedarf und den Notwendigkeiten der Unterstützungsanfragen entwickelt.
 
Am 2. Juli 2010 feierte die Selbsthilfe-Kontaktstelle ihr Jubiläum. Mit einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Neuen Rathaus mit dem Titel “Weiter wie bisher oder alles anders? Die Zukunft der Selbsthilfe in Bielefeld?“ schuf die Selbsthilfe-Kontaktstelle ein Forum, um die aktuellen Herausforderung durch die Gesundheitspolitik sowie gesellschaftlichen Veränderungen und den Perspektiven für die Zukunft der Selbsthilfeförderung zu diskutieren.

Erwin Adams, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und Träger der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Bielefeld führte in die Veranstaltung ein.

Als Schirmherrin der Veranstaltung und Vertreterin der Stadt Bielefeld betonte Gesundheitsdezernentin Anja Ritschel in ihrem Grußwort, dass die Stadt Bielefeld trotz Sparzwängen die Kontaktstelle weiter unterstützen werde, weil sie eine wichtige Säule im Gesundheitswesen sei.

Anja Ritschel

Wie schätzen die Mitglieder aus Selbsthilfegruppen, die Vertreter von Einrichtungen der gesundheitlichen und psychosozialen Versorgung sowie Politik und Verwaltung die Situation der Selbsthilfe in Bielefeld ein.
Uwe Ohlrich, Mitarbeiter der Selbsthilfe-Kontakstelle Bielefeld und Erwin Adams stellten Fragen zur Selbsthilfe: Mit einer - im wortwörtlichen Sinne - Standortbestimmung positionieren sich die Gäste im Raum und bezogen Stellung.

Fragen von Uwe Ohlrich an die Gäste ...

... Stellungnahme der Gäste im Raum.

Wer von Ihnen war vor 25 Jahren schon in einer Selbsthilfegruppe aktiv?

Wer von Ihnen hat an der Gründung des Vereins BIKIS e.V. und der Selbsthilfe-Kontaktstelle mitgewirkt?
Drei der GründerInnen: v.l. Helmut Breitkopf, Fritz Heinecke und Mechthild Schierenberg-Seeger

Die fachliche Diskussion eröffnete Christofer Kofahl, Diplom Psychologe am Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf und Leiter der Arbeitsgemeinschaft Patientenorientierung und Selbsthilfe, www.uke.de/institute/medizin-soziologie.

Christopher Kofahl, UKE Hamburg

In seinem Vortrag "Selbsthilfeförderung- und Unterstützung in Zeiten des Umbruchs: Wie freiwillig müssen wir in Zukunft werden?“ stellte Kofahl dar, dass keine massiven sondern schleichende Veränderungsprozesse innerhalb der Gesellschaft und finanziellen Vorausetzungen zu beobachten sind. Die sozial Schwächeren dürfe man nicht alleine lassen und die Selbsthilfeförderung habe ihre Berechtigung heute und in Zukunft. „Der Bedarf an Selbsthilfe-Unterstützung wird sogar steigen“, so seine Prognose.

Die sich anschließende Pause bot Gelegenheit, für den Austausch untereinander, für das Aufleben lassen von Erinnerungen und das Knüpfen von Kontakten.

Pausen-Eindrücke 1

Pausen-Eindrücke 2

Pausen-Eindrücke 3

In der folgenden von Erwin Adams moderierten Gesprächsrunde unter dem Motto „Ideen - Impulse - Denkanstöße für die Zukunft der Selbsthilfe“ äußerten sich:

von links:
Angelika Ammann - Vertreterin der Selbsthilfegruppe Aktiver Pflegetreff, Heiko Ulbrich - Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände NRW, Helmut Breitkopf - Ministererium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, Christopher Kofahl - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Christa Steinhoff-Kemper - Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld, Anja Ritschel - Gesundheitsdezernentin der Stadt Bielefeld, Klaus Bremen - Der Paritätische Wohlfahrtsverband NRW

Christopher Kofahl prognostizierte zu Beginn der Diskussion, dass die Menschen sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, dass sie zunehmend in sozialen Netzwerken leben müssen. Die Selbsthilfe-Kontaktstellen müssten in der Zukunft weitere Kooperationen der Selbsthilfe anstreben, insbesondere mit Leistungsanbietern des Gesundheitswesens sowie mit Migranten, Eltern und Senioren. Wenn wir diese Menschen erreichen wollen, dann müssen wir uns fragen, „…was die Menschen im Kopf haben, wenn sie den Begriff Selbsthilfe hören. In den 80ern ist vorwiegend das Themengebiet der sozialen Selbsthilfe damit gemeint gewesen.“

Christopher Kofahl

Angelika Ammann vom Aktiven Pflegetreff wünschte sich eine bessere Vernetzung der Beratungsangebote. „Als Kontaktperson der Selbsthilfegruppe erhalte ich regelmäßig, auch am Wochenende, Anrufe von Menschen, die sich im Dschungel der Beratungsangebote nicht zurecht finden.“ Durch die Verbesserung der Vernetzung von Selbsthilfegruppen und Professionellen könnte aus ihrer Sicht dieser Bedarf sichtbar gemacht werden und Schritte zur Verbesserung gestaltet werden. Große Chancen für die Bewältigung dieser Aufgabe sehe sie in der Kommunalen Gesundheitskonferenz (KGK). Mehr Schulungen in der Region als Unterstützung für die Selbsthilfegruppen ist ihr Wunsch an die Selbsthilfe-Kontaktstelle. Der Generationenwechsel stelle außerdem viele Selbsthilfegruppen vor ein Problem, da es am Nachwuchs mangele.

Von links:
Angelika Ammann, Helmut Breitkopf

Helmut Breitkopf vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW fordert dazu auf, die Ergebnisse des Vortrages politisch umsetzen. Dazu gehört auch die Beantwortung der Frage wie sich die Selbsthilfe-Kontaktstellen im Land qualitativ weiter entwickeln können. „Die Selbsthilfe-Kontaktstellen leisten eine gute Arbeit, in der Zukunft aber müssen sie - angesichts der bekannten Herausforderungen - Akzente und Schwerpunkte setzen.“
Die Beratungs- und Serviceleistungen für Selbsthilfegruppen müssten verbessert werden; hier sieht er die Selbsthilfe-Kontaktstellen in einer Multiplikatorenfunktion. Es müsse ein Dialog mit Wissenschaft und Forschung stattfinden, die Bevölkerung müsse befragt werden. Dieses führe insgesamt zu einem Wandel der Unterstützungssysteme. Im weiteren Verlauf der Diskussion sagte er, dass die Selbsthilfe zu einem konstituierenden Element in der Lehre der Hochschulen des Landes werden sollte.

Christa Steinhoff-Kemper erläuterte die Notwendigkeit, dass in einer Kommune und bei den Leistungsanbieter im Gesundheitswesen ein Verständnis vorhanden sein sollte, dass Selbsthilfeförderung eine Gemeinschaftsaufgabe ist.

Christa Steinhoff-Kemper

Das Bewusstsein für Selbsthilfe solle bei Professionellen gestärkt werden, es sollten Räume geschaffen werden, in denen ein Dialog von Professionellen mit Betroffenen möglich ist. Gute Erfahrungen werden gegenwärtig in der Zusammenarbeit mit den Krankenhäuern im Rahmen des Projektes Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen, www.selbsthilfefreundliches-krankenhaus-nrw.de gemacht.
Um die Selbsthilfe stärker in Bielefeld in dem Bewusstsein der Bürger und der Professionellen zu verankern, könnte darüber nachgedacht werden, ob die Stadt Bielefeld im Rahmen der Leistungsverträge die Einrichtungen auffordert, sich zu konzeptionell mit der Frage der Anregung von Selbsthilfeaktivitäten auseinander zu setzen.
Um Selbsthilfeaktivitäten zu stabilisieren beteiligt sich die Selbsthilfe-Kontaktstelle auch dem Projekt In-Gang-Setzer® , www.in-gang-setzer.de, bei dem zuvor geschulte Ehrenamtliche Selbsthilfegruppen in der Startphase unterstützen.

Von links:
Angelika Ammann, Heiko Ulbrich, Helmut Breitkopf

Heiko Ulbrich führte aus, dass die Gesetzlichen Krankenkassen ihren gesetzlichen Verpflichtungen gerecht werden, eine Beteiligung der Privaten Krankenversicherungen bei der Selbsthilfeförderung nach § 20 Abs. 4 SGB V jedoch noch nicht realisiert sei.
Die Menschen müssten sich - wie in dem Vortrag von Christopher Kofahl dargestellt - auf eine höhere Eigenbeteiligung einstellen. Die Selbsthilfe leistet viel und es gibt viele Innovationen und Potential. „Je mehr es uns gelingt Netzwerke aufzubauen, desto besser können Projekterfolge bekannt gemacht werden und Ideen verbreitet werden.“ Dies helfe auch bei der Umsetzung der Projektförderung, wo es immer noch Verbesserungspotentiale gibt.
„Dies gilt auch für uns als Krankenkassen. In dem Bewusstsein der Krankenkassen ist das Thema Selbsthilfe noch nicht übergreifend angekommen. Daher wollen wir auch, dass vor Ort die Kassen im Wechsel für die Förderung zuständig sind. So lernen sich die Partner vor Ort kennen“, schilderte Ulbrich die Herausforderung für die Krankenkassen.
Die Selbsthilfe-Kontaktstellen sind dabei wichtige Partner, die mit engem Spielraum eine Menge bewegen. Dies sollte erhalten bleiben. „Wir wollen keine Selbsthilfe-Kontaktstelle-Light“, erging als Wunsch an die Kommune und an das Land NRW, die bisherige Förderung aufrecht zu erhalten.

Von links:
Anja Ritschel, Klaus Bremen

Klaus Bremen stellte heraus, dass die Selbsthilfe einerseits einen sehr positiven Ruf hat, andererseits viele Menschen diese Selbsthilfe für sich nicht als konkrete Option sehen. Er folgert daraus, dass das Bild der Selbsthilfe mehr dem entsprechen muss, was die Selbsthilfegruppen ausmacht. „In den Selbsthilfegruppen, die ich kenne, da wird viel gearbeitet, aber auch gelacht und gefeiert. Die Menschen erweitern ihr soziales Netz und manchmal werden daraus tiefe und langjährige Freundschaften.“ Wichtig ist ihm, dass die Selbsthilfegruppen immer selbst bestimmen, was sie tun. Die Selbsthilfe-Kontaktstelle kann und will ihnen ihr Handeln nicht vorschreiben, sondern lediglich die Gruppen unterstützen.
Klaus Bremen formuliert als Frage für die Zukunft: Wie kann man Selbsthilfe Menschen anbieten?

Anja Ritschel schildert Bielefeld als eine Stadt mit außergewöhnlich großer Bereitschaft zum bürgerlichen Engagement. „Die Selbsthilfe ist eine wichtige Säule im Gesundheitswesen. Aber es gibt eine Diskrepanz zwischen der Absicht von Betroffenen im Bedarfsfall an eine Selbsthilfegruppe mitzuwirken und der tatsächlichen Umsetzung. Da gibt es noch viel zu tun.“ Die Beteiligung der Selbsthilfe in der Kommunalen Gesundheitskonferenz sei daher ein Schritt in richtige Richtung. Wenn die Beteiligung der Selbsthilfe in der Kommunalen Gesundheitskonferenz nicht schon umgesetzt wäre, müsste man dies umgehend fordern.
„Ein weiterer Schritt kann es sein, dass die Selbsthilfe gezielter an einzelne Akteure der Kommunalen Gesundheitskonferenz herantritt, die so als Multiplikatoren zum Bekanntmachen der Selbsthilfe genutzt werden“.
Für die Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Selbsthilfe bot Anja Ritschel an, die Zusammenarbeit mit der Stadt und der Kommunalen Gesundheitskonferenz zu intensivieren.

Anja Ritschel

In Selbsthilfegruppen findet sich auch immer Geselligkeit, Verbundenheit und Lebensfreude. Eliza Schulz schlüpfte in die Rolle Glücksbringerin und brachte die Gäste zum Schmunzeln und Lachen.

Elaisa Schulz

Herzlichen Dank!

 

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Gemeinsamer Internetauftritt der Gesetzlichen Krankenkassen in NRW mit allen Informationen über die Förderung der Selbsthilfe [Mehr]


 
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